Paul Cleave – Der siebte Tod
Hi, mein Name ist Joe und ich töte gerne Frauen. Die Polizei nennt mich “Schlächter von Christchurch” und ich finde es gut. Sieben Frauen wurden in den letzten Jahren getötet, doch ich weiß, dass ich nur sechs getötet habe. Nun mache ich mich auf die Suche nach meinem Nachahmungstäter und werde ihm meine Morde auch noch anhängen. Das wird ein Spaß.
Joe arbeitet tagsüber als Putzhilfe im Polizeirevier. Für alle Leute ist der “Der liebe Joe”, besonders seine Kollegin Sally mag ihn sehr. Er erinnert sie an ihren Bruder Martin, der vor einigen Jahren unglücklich verstorben ist. Er war geistig behindert. Auch Joe ist geistig behindert – zumindest tut er so als ob. Natürlich weiß er selber, dass er es nicht ist. Joe spielt den retardierten in der Arbeit. Außerdem besitzt er ein riesen Selbstbewusstsein. Durch die Zuneigung, die Sally ihm schenkt, denkt er, sie liebt ihn. Generell glaubt er, dass jede Frau ihn liebt. Er selbst erwidert diese Gefühle nicht, er will es einfach nicht und hatte deshalb noch nie eine Freundin.
Seiner Mutter missfällt das zutiefst. Sie hätte gerne eine Schwiegertochter, aber sie denkt, dass Joe schwul ist. Ihrem Sohn ist das egal, schließlich glaubt seine Mutter auch, er wäre Autoverkäufer. Aber die Frau ist ohnedies ein eigenes Kapitel mit der der Schlächter von Christchurch eine interessante Beziehung hegt. Jeden Montag besucht er seine sie und jeden Montag gibt es dasselbe essen. Und jeden Montag muss er sich dieselben Vorwürfe anhören. Er kann seine Mutter nicht ausstehen und trotzdem liebt er sie und würde ihr nie was antun. Seinen Vater hat er ohnehin schon früh verloren.
Joe wohnt gemeinsam mit seinen zwei Goldfischen Pickle und Jehova in einer kleinen Wohnung, liest gerne Liebesromane und stielt öfter mal ein Auto. Doch sein größtes Hobby ist es, Frauen zu ermorden. Er macht es nicht, weil er Frauen hasst, er tut es auch nicht, weil es ihn erregt, sondern einfach nur, weil es Spaß macht. Laut Polizei gibt es bereits sieben Tote, die der Putzmann getötet haben soll – doch er weiß, dass es nur sechs waren und bei der Siebten ein Nachahmungstäter am Werk war. Diesen will er finden und ihm die anderen sechs Morde anhängen.
Definitiv ist das Debut von Paul Cleave etwas, was man nicht so oft in den Bücherregalen stehen hat. Ein Buch aus der Sicht des Mörders zu schreiben, ist ja doch etwas, was eine riesige Aufgabe darstellt und man definitiv ein reichlich krankes Hirn braucht, um so etwas auch relativ authentisch rüberzubringen. Zweifelsfrei ist dieses Beispiel interessant, packend, ideenreich, kreativ und noch dazu richtig gut geschrieben.
Klar, die wenigsten von uns können sich vorstellen, wie ein Serienmörder tickt, aber die meisten sind doch hochintelligent, was man über diesen nicht behaupten kann. Dazu macht er zu viele Fehler, was wiederum für den Leser etwas positives ist, weil das das ganze authentischer macht. Man merkt einfach, wie Joe immer nervöser wird im Verlaufe des Buches, auch wenn er es nicht wahrhaben möchte.
Wobei man sagen muss, dass er sein Doppelleben garnichtmal so schlecht spielt. Am Tag den zurückgebliebenen Joe, den er wirklich hervorragend spielt, was man schon an den Dialogen zwischen ihm und seinen Kollegen erkennt; und in der Nacht den Mörder, der Schlächter von Christchurch.
Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass dies ein Thriller für Frauen ist. Weibliche Leser werden an emotionale Grenzen stoßen – sowohl positiv als auch negativ. Für Männer wird dieses Buch eher negative und auch schmerzhafte Erinnerungen hinterlassen, wenn man an die ein oder andere Szene, die der Autor niedergeschrieben hat, denkt. Was nicht heißt, dass man dieses Buch als Mann nicht lesen soll, keineswegs. Aber ich denke, Frauen haben definitiv mehr von davon, weil es für sie eine größere Bandbreite an Emotionen bereithält.
Weites kann der Thriller mit einem grandios schwarzen Humor aufwarten. Nicht selten muss man während des Lesens herzhaft auflachen. Einfach deshalb, weil der Hauptcharakter so tut, als ob Mord das natürlichste auf der Welt wäre. Etwas obskur, keine Frage, aber wenn man daran denkt, dass es eine fiktive Story ist, kann man schon darüber lachen.
Auf jeden Fall ein gelungener Roman und man darf auf seinen Nachfolger gespannt sein.

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Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Heyne (Mai 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453432479
ISBN-13: 978-3453432475
Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 3,6 cm
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